~Der Golf von Neapel und die Amalfitana~       Meine Reise vom Tiber zum Mittelmeer

Wieder nach Italien? Drei Wochen? Das glaube ich euch nicht. Wollt ihr vielleicht durchbrennen, heimlich heiraten oder was ist los? Das ist ein Scherz...oder?

Staunen und Sprachlosigkeit waren die Reaktionen auf unsere spontan geplante Reise zum Golf von Neapel. 

Und alle wollten am liebsten mit!

Als der letzte Abend in Berlin sein Ende fand und die Bauchschmerzen vor Aufregung anfingen Purzelbäume zu schlagen, wusste ich, ich bin nur noch wenige Stunden von der Stadt entfernt, die mich in den letzten Jahren so hypnotisierte, die ewige Schönheit - Rom. Hier sollte nämlich unsere Reise beginnen, hier sollte alles den Anfang nehmen und hier sollte auch alles wieder enden. 

 

  • Tag 1. Ankunft in Rom

 

Was für ein Chaos. Gepäckstücke aus Madrid, Paris, Prag und Berlin, alle irgendwo im Nirgendwo. Und zwischen all dem Durcheinander finde ich doch tatsächlich, zu meinem Erstaunen, auch unsere recht schnell wieder. Etwas nach Bier stinkend, weil irgendein Passagier anscheinend unbedingt welches dabei haben musste, aber immerhin alles noch da. Unser B'n'b ist in der Nähe vom Bahnhof Termini, also diesmal nicht mit dem Taxi, sondern gerne etwas preiswerter mit dem Zug direkt dorthin. Karten sind schnell gekauft und die "treni" sind auch sofort gefunden. 14 Euro pro Person. 

In Termini angekommen, heißt es jetzt bei 30 Grad Koffer schleppen und sich auf die kalte Dusche freuen. Das akklimatisieren fällt schwer, da in Berlin der Sommer noch nicht mal ansatzweise begonnen hat.

Was wollen wir heute eigentlich unternehmen? Wir kennen doch schon alle Sehenswürdigkeiten?! Diese Frage ist eigentlich schon fast lächerlich. Als Rom-Fan fragst du: Was schaffen wir heute nochmal zu sehen? Und kaum ausgesprochen, finde ich mich schon am Kolosseum wieder. 

Das wichtigste für mich an diesem Tag ist allerdings der Espresso im 'Caffé Greco'. Dieses Café habe ich doch tatsächlich geschafft in den letzten Jahren zu übersehen, obwohl es direkt an der Spanischen Treppe zu finden ist. Goethe war einst Stammgast hier und der Charme von damals schleicht auch heute noch gemütlich durch die Gänge. "Due caffé al banco", sage ich und bekomme meinen langersehnten Schluck Kaffee im Stehen. Wer das Ganze im Sitzen genießen möchte, kann das natürlich auch gerne tun, kostet aber satte 4 Euro mehr. So zahle ich für zwei mal Espresso genau 3 Euro. 


  • Tag 2. San Pietro und die Schweizer Gardisten

 

Schon um acht Uhr morgens aufstehen, frühstücken und los. Egal, ob man Urlaub hat oder nicht, in Rom muss man ein Frühaufsteher sein, wenn man mit der Ganzen Pracht mithalten will.

Der 02. Juni, übrigens der Tag der Republik, sollte mich an einen besonderen Ort bringen. Ein Rom-Geheimtipp: 'Campo Santo Teutonico', ein deutscher Friedhof direkt am Petersdom. Einfach die Schweizer Gardisten bitten, einem zum Friedhof durchzulassen und man kommt ohne Probleme rein. Eine unerwartete Begegnung die man macht, mitten in Italien, mitten im Vatikan. Klein, beschaulich und gut versteckt ist er gelegen und nur wenige finden den Weg, bzw. wissen, dass sie rein gelassen werden. Der Blick nach oben offenbart einem die Kuppel des Doms und man kommt nicht drum rum auch hier seine Fotos zu schießen. Es sind höchstens acht andere Touristen, die gleichzeitig mit dir den 'Campo Santo' aufsuchen und für Rom-Verhältnisse ist das fast unvorstellbar. 

Wer noch einen weiteren Friedhof in Rom besuchen möchte, kann sich gerne den 'Cimitero acattolici' anschauen. Hier fand Goethes Sohn die letzte Ruhe. Ein besonders großes Grabmahl, das Mausoleum von 'Cestius' in Form einer riesigen Pyramide ist ebenfalls nur wenige Meter weiter zu finden. 

Metro-Station: Pyramide.

Ach, und was wäre Rom ohne einen gemütlichen Abend am Pantheon? - Der kleinen Weltkugel an der 'Piazza della Rotonda.'

Denn alle sind sie hier, aus allen Nationen und aus aller Herren-Länder. Ein tägliches Schauspiel und immer wieder untermalt mit Musik. Hier lässt sich der Abend besonders schön genießen.

 

  • Tag 3. Ankunft in Neapel oder wie ich mir Rio de Janeiro vorstelle 

 

Dieser Urlaub sollte ja eigentlich am Golf von Neapel stattfinden, dass mein Flug Rom anvisierte, hatte unter anderem finanzielle Gründe, (die Flüge sind deutlich günstiger als nach 'Napoli') vor allem aber, weil es mich immer wieder hier her zieht und ich deshalb entschied, den Hin- und Rückflug für die Hauptstadt am Tiber zu buchen.

Die Zug-Tickets nach Neapel kaufte ich am Abend vorher, mit dem langsameren und preiswerteren sollte es also losgehen. 2:40 min sollte die Reise von Rom aus dauern, 17,20 € sollte sie pro Person kosten. 

In Neapel angekommen, mit den Koffern wieder nach der richtigen Straße suchend, bemerke ich, dass selbst Google Maps total überfordert ist. Ein durcheinander wie ich es noch nie erlebt habe. Ich bin mitten im historischen Zentrum, es ist ein schöner, sonniger Tag und trotzdem stockdunkel. Die Straßen schwarz wie Pech, die Hochhäuser in den Himmel ragend, Wäscheleinen wie in den Filmen schwenkend, 15-jährige auf ihren Mopeds rasend und jede Menge Matratzen auf dem Asphalt. So viel Müll habe ich noch nie gesehen. Ich bin total sprachlos.

Dafür habe ich dich verlassen? Dafür fuhr ich aus Rom hier her? Ich sollte für die nächsten fünf Nächte das echte neapolitanische Leben erfahren. In meine Straße einbiegend, sehe ich links und rechts von mir die sogenannten 'Bassi', Einzimmer-Wohnungen im Erdgeschoss, meist mit sperrangelweit geöffneten Türen, dass man das komplette Mobiliar der Einwohner begutachten kann. Ich hoffte so sehr, dass mich die Fotos bei "Airbnb" nicht täuschten und zu meinem Glück, ist meine Wohnung tatsächlich einige Stockwerke höher, groß genug und gemütlich, aber inmitten des größten Trubels, den ich je erlebt habe.

Als das ganze Gepäck verstaut ist, trauen wir uns hinaus. Gut, dass ich nicht blond und blauäugig bin, zwar so hell, wie der leckerste Mozzarella der Stadt, aber weniger auffällig als die meisten Touristen. Nach langem umherirren und dem Besuch der berühmten Kirche 'San Gennaro', bemerke ich, dass die beste Pizza der Stadt keine 200 Meter von unserer Wohnung entfernt liegt. 'Da Michele'! Pizza Margherita für 5 Euro und das ist der Preis für die große mit extra Käse. Julia Roberts weiß was schmeckt! Sie aß die Kultpizza im Film 'Eat Pray Love' und so endlich auch ich. Am nächsten Abend gleich wieder!

 

  • Tag 4. Napoli, città d'arte

 

Die erste Nacht in Neapel ist ruhig, unser Türschloss mit vier extra Riegeln hilft mir besser einzuschlafen. Bis auf die Nachbarn höre ich niemanden. Die kleinen Läden auf den Straßen konkurrieren auch nicht mehr untereinander, das ultimative Zeichen, dass jetzt Schlafenszeit ist für alle. 

Am nächsten Morgen machen wir uns auf den Weg zur 'Centrale Station' und kaufen die 'Arte-Card' nur für Neapel. Drei Tage ist diese gültig und beinhaltet Vergünstigungen für den Besuch von allen wichtigen Museen und mehr. (Unter 25/über 65 und EU-Bürger 12€, Rest 21€) Für die ersten 2-3 Sehenswürdigkeiten ist der Besuch gratis, bei den anderen zahlt man den Eintritt mit ordentlich Rabatt. Im Großen und Ganzen ein Erfolg, wir haben einiges eingespart, zumal die drei Tage auch auf die öffentlichen Verkehrsmittel gelten. Metro-Karten sind zwar nicht teuer, auf Dauer schlucken sie trotzdem viel. Unser wichtigstes Reiseziel für diesen Tag ist das 'Certosa e Museo di San Martino', ein neapolitanisches, barockes 'Kartäuserkloster' mit wunderschönem Chiostro Grande, Hauptkreuzgang, vielen Exponaten neapolitanischer Kunst und Geschichte und einem herrlichen Blick über die Stadt. Gleich hier befindet sich auch das 'Castel Sant' Elmo'. Der Besuch dieser zentralen Verteidigungsanlage bleibt uns allerdings verwehrt, obwohl die Öffnungszeiten etwas anderes sagen, aber nun gut, mit sowas muss man in Neapel anscheinend auch rechnen. 


  • Tag 5. Untergrund Neapel

 

Eine Tour durch das Neapel längst vergangener Zeit, unter der Stadt! Das klang schon in Deutschland so verführerisch, da musste ich unbedingt dabei sein. Der 'Tunnel Borbonico' ist erst seit kurzem eine weitere Attraktion in Neapel, da man erst 2010 damit fertig war, diesen unterirdischen Gang wortwörtlich wieder freizuschaufeln. Unser Tourguide, sehr motiviert und höchst gut gelaunt, führt uns eine ganze Stunde lang durch die Unterwelt. Hier bemerke ich zum ersten Mal, aus wie vielen verschiedenen Ecken es die Menschen nach Neapel zieht. Touristen aus Buenos Aires oder Los Angeles sind den ganzen weiten Weg hier her geflogen, um Italien und den Golf von Neapel zu sehen. Unsere Gruppe, recht überschaubar, wird nun auf englisch durch das Napoli 'di sotto' geführt. Der Tunnel Borbonico, der eigentlich schon aus dem 19. Jahrhundert stammt und als Fluchtweg für den damaligen König erbaut wurde, konnte während des 2. Weltkrieges auch als Versteck genutzt werden. Und tatsächlich finden wir alte Kinderwagen und anderes Spielzeug, Autos, Vespas, Kaffeekannen und Inschriften: 'Noi viviamo' - 'Wir leben!'. 

Diese 'Standard' Tour ist sehr anschaulich und auf englisch und italienisch zu haben. Wer es aber etwas spannender mag, kann gerne die 'Adventure' Tour buchen. Hier muss man allerdings vorher reservieren. Und vielleicht eine Strickjacke mitnehmen, es wird recht kühl im Untergrund. 

Nach der Tour machen wir uns runter zum Hafen und wie ich sehe, haben die anderen aus unserer Truppe das gleiche Ziel. Kein Wunder, nur wenige Meter weiter befindet sich die älteste Burg der Stadt - 'Castel dell' Ovo'. 

Wer hier in der Nähe noch etwas leckeres essen möchte, dem empfehle ich 'Zi Tereza', leckere Pasta und tolle Pizza, nicht ganz billig, aber das Panorama ist unschlagbar. Während ich auf mein Essen warte, frage ich mich die ganze Zeit, wo die wunderschönen Italienerinnen geblieben sind, mit ihren tollen Haaren, langen Beinen und großen, dunklen Augen. Ich habe mich, so merkwürdig das klingen mag, echt darauf gefreut schöne Frauen zu sehen, aber bis jetzt scheinen mir nur die Männer der Schöpfung 'bella figura' zu machen. Neben mir sitzen auch keine Italiener, sondern zwei ältere deutsche Omas. Und Deutsche werde ich in Italien noch viel häufiger antreffen.

Zum Abschluss des heutigen Tages geht es rauf zum 'Capodimonte', Museum und Königspalast zugleich. Hier wartet ein Gemälde Tizians auf mich - die Verführung durch Zeus, verkleidet als Goldregen. Und kaum zu glauben, aber wahr, ich bin doch tatsächlich alleine. Noch nie schlenderte ich durch ein Museum und musste nicht Schlange stehen, um mir die Werke genau anzuschauen. Es sind nur eine handvoll Menschen da, ich kann sie regelrecht abzählen, so wenige sind es. Vielleicht kommen die meisten nur, um den Vesuv von Andy Warhole zu sehen, dieses Abteil ist allerdings abgesperrt. Schade.

 

  • Tag 6. Isola Verde - Ischia

 

Einen Tag entspannen und baden, sich von den heißen Quellen kurieren lassen und endlich nichts tun. Das ist der Plan für Ischia, die grüne Insel. Am Hafen eintreffend, bin ich etwas überrascht über den Preis der Karten: 70 Euro Hin-und Zurück für zwei Personen. Etwas viel, für das Geld hätte ich sogar nach Rom nochmal gekonnt.

Das Schiff ist groß, der Andrang der Menschen auch. 'Ciao bella' könnte man hier ruhig öfters sagen, denn die hübschen Frauen sind an jeder Ecke - Inselschönheiten also! 

Auf Ischia angekommen, fahren wir weiter mit einer kleinen 'Barca' zum Strand 'Cartaromana' in Ischia Ponte.

Von hier haben wir einen tollen Ausblick auf das 'Castello Aragonese' und angeblich auch heiße Quellen im Wasser. Diese sind eher lauwarm als heiß, aber immerhin sprudelt es ein wenig. Neben mir auf der Liege ist, wer hätte es gedacht, eine deutsche Oma, Brigitte, die sofort anfängt mit mir zu reden, als ich versehentlich ein klitzekleines 'ja' raushauche. "Wissen Sie, hier sind nur Deutsche auf der Insel, ich komme ja schon seit 30 Jahren hierher. Damals waren die Quellen noch richtig heiß. Sind Sie mit Angelo und seinem Boot hier her gefahren? Das ist der mit dem strubbelhaaren. Ein ganz netter, seine Frau war vorhin auch hier, sie haben vor kurzem ein Baby bekommen. Beide ganz tolle Menschen. Uh, das Wetter ist heute nicht so toll, vielleicht kein guter Tag zum baden." Und ich nur wieder ganz leise: Ja. (Was war noch mal die Frage?)

Die Insel wird anscheinend auch die deutsche Insel genannt, nun gut, besser für mich, kann ich mich leichter verständigen. Die Italiener schienen mir bis jetzt nämlich nicht so fit darin zu sein, englisch zu sprechen.

Auf Ischia beginnt auch meine Shoppingtour, Souvenirs brauche ich massenweise. Die Insel ist bekannt für ihre schöne Keramik, also ist es nahe liegend mir etwas in diese Richtung zu kaufen. Eine kleine Karaffe für Olivenöl und Korkenzieher mit Keramik-Deckel für meinen Vater, das muss unbedingt mit. Wenn es um Wein geht, kann ich schließlich nichts falsch machen. 

 

Preise: Fahrt von Neapel nach Ischia und Zurück: pro Person 35,20 Euro / Fahrt mit dem Boot zum Strand: pro Person 5,00 Euro

  • Tag 7. Ausflug nach Pompeji und zum Vesuv 


Mit der 'Circumvesuviana' kommt man von Neapel bis nach Sorrent, eine Haltestelle dazwischen liegt unter anderem 'Scavi di Pompei', unser Reiseziel an Tag 7. Knapp zwei Euro kostet die Fahrkarte und in einer halben Stunde ist man auch schon da. Dieser Sonntag ist der erste im Monat und folglich haben alle Museen offen. Eintritt frei für alle, auch in Pompei. Wir sind um 14 Uhr da, viel zu spät! Die Massen an Menschen machen es uns unmöglich überhaupt durch den Einlass zu kommen. Pompei ist zu und soll erst wieder um 17:00 seine Tore öffnen. Was jetzt? Umorganisieren und erstmal rauf zum Vesuv, das ist der neue Plan. In Pompeji locken auch schon Tourguides mit Busfahrten zum Vulkan. 20 Euro kostet ihr Angebot und im Nachhinein betrachtet, hätte ich gleich darauf eingehen sollen. So fuhren wir mit der Circumvesuviana zurück bis zur Station 'Ercolano' und dachten von hier aus ist die Busfahrt billiger. Pustekuchen. 

Immer noch 20 Euro pro Person. 10 Euro ist die Fahrt, 10 Euro der Eintritt. Was für ein Preis um gerade mal eine Stunde auf dem Vulkan zu stehen. Etwas verwundert bin ich über einige Damen, die offensichtlich denken, mit Flip Flops lässt es sich auch gut einen Berg besteigen. Der Weg ist tatsächlich etwas beschwerlich, die heiße Sonne macht es ebenfalls nicht leichter. Auf jeden Fall Wasser mitnehmen, meine Rettung an diesem heißen Tag. 

Nachdem wir uns so den Vulkan rauf hetzen und in die Tiefen des Kraters schauen, muss ich mal wieder an Goethe denken. Er ging den gleichen beschwerlichen Weg hinauf und steckte, so wie ich auch, hier und da ein Steinchen in die Hosentasche, das beste Mitbringsel was ich mir vorstellen kann. Ich wandere, so habe ich das Gefühl, immer mehr die gleichen Wege entlang. Wo ich hin will, da war er auch. Und jedes Mal stelle ich mir vor, wie sein Blick auf alles ausgesehen haben muss. Orte, Städte, Landschaften verändern sich, was war ausgegraben, was guckte lediglich heraus, wie sah er es, wie kam er überhaupt den Vesuv hoch, Busfahrten für 10 Euro gab es schließlich nicht? Wie anstrengend muss es damals gewesen sein, Italien zu erkunden, wenn einem heute praktisch alles auf dem Silbertablett serviert wird? "Hop-on Hop-off" Touren mit dem Bus sieht man heute fast in jeder Stadt.

Eine Sache musste Goethe zu seiner Zeit allerdings nicht ertragen, Musiker in Zügen, mit großen Verstärkern und ihren Kindern, die im Rhythmus klatschen. Und den ganzen Sommer ertönt nur ein Lied: 'Bailando' von Enrique Iglesias. Ich stehe jedes Mal unmittelbar neben der Anlage und meine Augen zucken wegen der Lautstärke im Takt. Leider Gottes wird dies zu meinem Sommerlied, ich muss es andauernd ertragen und um ehrlich zu sein, mochte ich es schon letztes Jahr nicht besonders. Eine Qual, die Goethe erspart blieb.

Gute zweieinhalb Stunden später sind wir wieder in Pompeji und können gar nicht glauben, wie riesig dieses Areal ist. Villen mit Fresken, richtige Bars, Tempel und sogar ein Amphitheater, alles fest im Boden, wie vor zweitausend Jahren. Ausgestellt, und doch gut geschützt hinter Gittertüren sind auch Krüge, Vasen und versteinerte Menschen, die mit letzter Kraft versuchten, sich vor der Asche zu schützen. Der Regen, der an diesem Nachmittag fällt, ist wie ein Geschenk des Himmels, die meisten Touristen verschwinden allmählich und man selbst kann Pompeji auf leisen Sohlen erleben. 

 

Öffnungszeiten: Nov. - März tgl. 08:30 - 17:00 / Apr. - Okt. 08:30 - 19:30 

Letzter Einlass immer eine Stunde vor Schließung. 

  • Tag 8. Auf nach Sorrent - Massa Lubrense wartet

 

Tag 8. und wieder heißt es Koffer packen und weiter reisen. Mit der uns bekannten 'Circumvesuviana' fahren wir also am Montag nach Sorrent. Zu den Olivenbäumen und Zitronenplantagen. Wie glücklich wir sind, diese sonnige und ruhige Stadt zu sehen. Neapel war so unerwartet dunkel, da tut uns die Sonne in Sorrent besonders gut. Da unsere Unterkunft nicht direkt in Sorrent liegt, sondern etwas außerhalb am Meer, fahren wir mit dem Bus der Linie 'Sita' bis fast vor die Haustür in 'Massa Lubrense'.

1,20 € kostet die Fahrkarte, 20 Minuten dauert die Fahrt. Die Region ist ruhig, kaum Touristen, alles duftet nach Zitronen und am Nachmittag herrscht hier Siesta, ein kleiner Mittagsschlaf, bei dem die kleinen Läden zu haben. 'Massa Lubrense' rettet unseren Geldbeutel, denn hier übernachten wir in einer kleinen Wohnung für nur 39€ die Nacht. Massa bzw. Sorrent sind super Knotenpunkte, von hier aus hat man es nicht weit zur Amalfiküste und auf die Insel Capri.


  • Tag 9. Sorrent - Das Italien, wie man es aus Filmen kennt

 

Üppige Zitronen- und Orangengärten, der klare Himmel, Sonne satt und das Meer vor der Haustür. Kein Wunder, dass wohlhabende Engländer schon seit Generationen nach Sorrent kommen und ihr dolce vita hier genießen. Sorrent ist nicht allzu groß, die Stadt hat man sich an ein, zwei Tagen angeschaut und nutzt sie eher als Entspannungsort. Keiner hetzt hier durch die Gassen, keine lästigen Verkäufer wollen hier einem, wie in Rom oder Neapel, 'Selfie-Sticks' andrehen. Nur Obstverkäufer und Souvenir-Stände und natürlich an jeder Ecke: Zitronenlikör. 

Das schönste an Sorrent ist der Ausblick auf das Meer von der 'Villa Comunale' aus, einem ehemaligen Klostergarten neben der Kirche 'San Francesco'. Der Kreuzgang der Kirche ist zudem noch ein tolles Highlight. Als ich ihn mir an diesem Tag anschauen möchte, findet dort doch tatsächlich gerade eine Hochzeit statt. Eine wunderschöne Braut, ihr Bräutigam, ein paar Gäste, der Priester und ein Violinist, alle verzaubert im gotischen 'Chiostro' aus dem 14. Jahrhundert.

Fast schon logisch, dass jeder der Sorrent verlässt, innerlich "Torna a Surriento" denkt und summt. "Komm zurück nach Sorrent", ein neapolitanischer Klassiker, der von vielen bekannten Sängern, wie Pavarotti und Elvis Presley, interpretiert wurde.  

Grandissimo e unico.

 

  • Tag 10. "Salon Europas" - Capri

 

Als ich wusste, dass ich den Golf von Neapel besuchen würde, war mein erster Gedanke: Capri! Ein Sehnsuchtsort, eine Art Fatamorgana. Nie hätte ich gedacht, diese Insel so bald zu sehen. Meine Sympathie für das sogenannte "Welttheater im Mittelmeer" fing vor vielen Jahren an, als ich zum ersten Mal die italienische Serie "Capri" anfing zu schauen. Diese Bilder konnte ich seitdem nie wieder vergessen. Capri ist eine kleine Insel am Golf und ihre knapp 13.400 Einwohner beklagen sich seit Jahrzehnten über den "Turismo di massa". Kein Wunder, als ich in Sorrent die Tickets für das Schiff nach Capri kaufe und sehe, wer alles schon um 08:30 auf dem Weg ist, fühle ich mich wie ein kleiner Fisch im großen Meer. Täglich stürmen mindestens 10.000 Touristen auf die Insel, deshalb sollte man schon lieber mit dem ersten Schiff dorthin und nicht zu lange trödeln. Auf Capri angekommen, nimmt man am besten die Seilbahn in die Stadt. Beim aussteigen aus der Seilbahn fällt mir an diesem Tag tatsächlich nicht auf, dass ich mich schon auf der berühmten 'Piazza Umberto I' befinde. "Piazetta" ist viel treffender, so klein hätte ich mir dieses "Welttheater im Mittelmeer" dann doch nicht vorgestellt. Da ich davon ausgehe, dass die meisten Touristen schon zur berühmten "Blauen Grotte" stürmen, mache ich mich auf den 45 minütigen Wanderweg zur 'Villa Jovis'. Ein Privatbesitz von Kaiser Tiberius, östlich auf dem heute benannten Monte Tiberio gelegen. Kaum vorstellbar wie prachtvoll das vor rund 2000 Jahren ausgesehen haben muss, alleine schon die Aussicht auf das Meer und das umliegende Festland ist atemberaubend. 

Auf dem Rückweg sollte man vielleicht bei der Familientrattoria 'Lo Sfizio' halt machen, denn günstiger wird es nicht auf Capri. Je zentraler, desto dreister sind die Preise. Ein weiterer wundervoller Aussichtspunkt, den man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte, sind die 'Giardini di Augusto', die Gärten des Augustus, mit dem Blick auf das Wahrzeichen der Insel: die Faraglioni - das Felsentrio von Capri.

Hier hat man die perfekte Kulisse für seine Urlaubsfotos. Und wem es zu heiß wird, der sollte sich unbedingt Zitroneneis bestellen. Bei 'Buonocore' in der Via Vittorio Emanuele habe ich das beste, erfrischendste und leckerste Zitronen-Melonen-Eis kosten dürfen. Die Waffel wird vor deinen Augen frisch zubereitet und man will einfach mehr. Fruchtiger als jeder Obstsalat!

 

Öffnungszeiten Villa Jovis: tgl. 11:00 - 15:00 / nur an den ersten beiden Dienstagen und den letzten beiden Sonntagen eines Monats geschlossen.

Eintritt: 2,00 Euro

Öffnungszeiten Giardini di Augusto: tgl. 09:00 - 20:00 

Eintritt: 1,00 Euro

Die Fahrt von Sorrent nach Capri und Zurück: pro Person 27,90 Euro

  • Tag 11 & 12. Wundervolle Orte entlang der Amalfitana 

 

Einen Faden durch ein Nadelöhr bringen ist knifflig und scheint manchmal unmöglich, wie ergeht es erst den unzähligen Busfahrern, die täglich die Amalfitana bezwingen? Denn so und nicht anders fühlt es sich an, wenn man auf dem engen Weg nach Amalfi im Bus sitzt und sich das schwindelerregende Panorama unter einem anschaut. Eine spektakuläre Küstenstraße, die an den schönsten Orten hält: Positano, Amalfi und Ravello. Die geübten Busfahrer halten und wenden gekonnt, schaffen es sich nicht von ein paar Motorradfahrern aus der Ruhe bringen zu lassen und zeigen einem was Italien doch tatsächlich alles zu bieten hat - vor allem nämlich die wunderschönen Meeresküsten, die prädestiniert dafür sind, um an Sirenen und Meerjungfrauen zu glauben. 

Kaum in Amalfi angekommen, begeistert eine Sehenswürdigkeit auf Anhieb - 'Duomo di Sant' Andrea.' Das Gotteshaus wurde dem Apostel Andreas geweiht, befindet sich auf der 'Piazza Duomo' und ist schnell von der Porta Marina aus zu erreichen. Der orientalisch aussehende Dom fesselt mit seiner hochführenden Treppe, dem 'Paradies Kreuzgang', der Kathedrale und der schön geschmückten Krypta -  hier wird auch die Reliquie des hl. Andreas aufbewahrt. Ein beeindruckendes Gotteshaus für die gerade einmal 5.500 Einwohner der Stadt.

Das gesamte kleine Örtchen ist genau wie Ischia, Capri und Sorrent der Keramik treu und stellt entsprechend ihre Souvenirs daraus her. Nicht immer ganz preiswert, aber sehr schön anzusehen. Mit dem Bus fährt man von hier aus weiter hoch nach Ravello, der sogenannten Stadt der Musik, denn hier findet jährlich das berühmte Open Air Festival statt, bei dem die besten Künstler und Orchester auftreten und zusammen mit der Umgebung ein unvergessenes Bild abgeben. Hunderte Meter über der Bucht von Salerno, mitten in der 'Villa Rufolo'. Ein Traum! 

Wer nicht Positano auf dem Rückweg schnell abhaken möchte, der kann sich einen ganzen Nachmittag dafür nehmen. So fahren wir am nächsten Tag noch mal an der steilen Amalfitana entlang, um in diese malerische Stadt zu kommen. Viel gibt es nicht zu sehen, es ist die Gegend an sich, die so fasziniert. Es scheint, als würde ein Haus auf dem nächsten gestapelt sein und wie die anderen Städtchen zuvor nur aus Keramik und Zitronen bestehen. Schlendern, Kaffee trinken und die Aussicht genießen. Manchmal braucht es nicht viel mehr, um wunschlos glücklich zu sein. 

 

Busticket: Tagesticket 'Sita Sud' 24 Stunden  - pro Person 8.00 Euro

  • Tag 13 / 14 & 15 Endlich auch mal baden gehen

 

Die nächsten Tage  verbringen wir am Strand von Massa Lubrense und in den kleinen Straßen von Sorrent. Das Meer ist zwar ganz in Ordnung, aber die besten Strände, so muss ich gestehen, habe ich immer noch in Kroatien. (~ dazu bald mehr). 

An Tag 16 geht es dann zurück nach Rom und hier sollen auch die letzten vier Tage zu Ende gehen. 

  • Die letzten Tage in Rom

 

Mit dem Bus aus Massa nach Sorrent, mit der 'Circumvesuviana' nach Neapel und mit dem Zug der Linie 'Trenitalia' zurück nach Rom. Und das ist tatsächlich der schnellste Weg. Ein richtiger Spaß mit dem Gepäck und der heißen Sonne im Nacken. Aber wir freuten uns. Wir freuten uns auf das schöne Zimmer in Rom, mit seiner Klimaanlage, dem neuen Badezimmer, dem rund um die Uhr geöffnetem Kiosk direkt die Straße runter und dem tollen Frühstück. 

Obwohl wir schon die ersten drei Tage in Rom verbracht haben, konnten wir es kaum erwarten wieder dort zu sein. Die Tage zuvor waren ein großes Erlebnis. Ich hätte mir nie vorstellen können, wie unterschiedlich Italien sein kann, mit seinem chaotischen Neapel, sonnigen Sorrent, antiken Pompeji, High-Society Capri und malerischen Positano. Fast wie eine Reise durch die Welt. Doch der krönende Abschluss dieser Fahrt ist und bleibt -  la grande bellezza, Rom.

Am Pantheon ein Bier trinken, in die schönsten Kirchen der Welt eintauchen, in der 'Via del Corso' shoppen und einfach weiter laufen. Seit über zwei Wochen machten wir schließlich nichts anderes als zu laufen und zu sehen, und es war großartig. 

 

Zum Abschluss dieses Artikels folgt nur noch ein kleiner Verweis auf einen älteren Blog-Eintrag zum Thema Rom. Jenen habe ich nach dieser Reise etwas aktualisiert. Unter anderem war ich dieses Mal auch endlich in der 'Galleria Borghese' und habe meine neu gewonnenen Tipps in: "Sehenswertes /Der Würfel ist gefallen", vermerkt. 

 

Für all diejenigen, die auf den Geschmack gekommen sind in die Region Kampanien zu reisen, sage ich nur eins: tut es, jede Reise ist das Geld wert. Und diese ganz besonders.


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Kommentare: 2
  • #1

    Sarah (Montag, 17 August 2015 00:01)

    Oh wie ich Deinen Italienbericht mit all den wunderbaren Fotos verschlungen habe!! Vielen vielen Dank dafür! Ich hatte eine ähnliche Reise geplant,bin aber leider von Neapel aus in Torre Annunziata hängen geblieben und habe es nur bis Vico Equense geschafft. Auf dem Vesuv waren wir, in Pompei auch und in der Villa Oplontis. Zum Glück gibt es Deine wunderbar geschriebene Beschreibung der Gegend...jetzt bin ich zufrieden :)

  • #2

    reiseportraits (Montag, 17 August 2015 20:59)

    Vielen Dank für deine netten Worte! Deine Reiseroute klingt doch super. Die Sorrentinische Halbinsel kannst du ja beim nächsten Mal besuchen und ich hingegen schaue mir die Villa Oplontis an, die soll ja besonders schön sein ;)
    Liebe Grüße